Werden in Deutschland Privatpatienten gegenüber Kassenpatienten tatsächlich bevorzugt behandelt?
Auf provisit.com können sich ausländische Besucher sowohl gesetzlich als auch privat versichern. Die Vor- und Nachteile dieser beiden Versicherungsarten erklären wir hier.
Als Student in Deutschland hast du in der Regel die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Welche Versicherungsart für dich die richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab, u. a. von deinem Alter, der Dauer des Studiums und deinen Plänen für die Zeit nach dem Studium.
In diesem Artikel wollen wir einen dieser Faktoren genauer beleuchten. Wenn du die Wahl hast zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung solltest du eins wissen: Privatpatienten werden in Deutschland tatsächlich häufig gegenüber Kassenpatienten bevorzugt behandelt, insbesondere bei der Terminvergabe und Wartezeiten im ambulanten Bereich.
Bitte beachte, dass wir uns hier auf private, substitutive Krankenvollversicherungen beziehen, nicht auf private Reisekrankenversicherungen.
Warum werden Privatpatienten bevorzugt?
Die Hauptursache liegt im Vergütungssystem: Ärzte erhalten für die Behandlung von Privatpatienten durchschnittlich mehr als doppelt so hohe Honorare wie für gesetzlich Versicherte. Zudem gibt es für Privatpatienten keine gesetzliche Budgetierung der abrechenbaren Leistungen, was für Ärzte finanzielle Anreize zur Bevorzugung schafft.
Unterschiede in der Versorgung
- Wartezeiten: Studien zeigen, dass privat Versicherte deutlich schneller Termine bekommen. In einer groß angelegten Studie mussten Kassenpatienten im Schnitt mehr als doppelt so lang auf einen Facharzttermin warten wie Privatpatienten (z.B. 25 statt 12 Tage).
- Zusatzleistungen: Privatpatienten haben oft Zugang zu Sonderleistungen wie Chefarztbehandlung, Einzelzimmern und innovativen Therapien, die für Kassenpatienten entweder erst später oder gar nicht verfügbar sind.
- Medikamentenverordnung: Ärzte sehen die Behandlung von Privatpatienten als weniger risikobehaftet, da bei ihnen keine finanziellen Rückforderungen (Medikamentenregress) drohen, was wiederum die Versorgung beschleunigen kann.
Aktuelle Debatte und Reformvorschläge
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen fordert seit Jahren, die Bevorzugung zu unterbinden und bei der Terminvergabe ausschließlich die medizinische Notwendigkeit zu berücksichtigen, unabhängig vom Versicherungsstatus. Politische Initiativen zielen darauf, die Diskriminierung gesetzlich zu verbieten und einheitliche Buchungsportale zu schaffen.
Was bedeutet das für dich und deine Wahl der richtigen Versicherung?
Die bevorzugte Behandlung von Privatpatienten ist in Deutschland nachweisbar und strukturell begründet, insbesondere durch finanzielle Anreize und Unterschiede im Leistungsumfang. Zahlreiche Studien und Erfahrungsberichte bestätigen dieses Systemproblem.
Egal, ob du gesetzlich oder privat versichert bist: Du bekommst natürlich immer alle nötigen Behandlungen. Es kommt aber darauf an, wie nötig die Behandlung ist. In Notfällen bist du mit beiden Versicherungsarten so oder so bestens abgesichert.
Wenn es aber um Behandlungen geht, die nicht zeitlich dringend sind, z.B. die Entfernung von Muttermalen oder allgemeine Vorsorgeuntersuchungen, bekommt man als Privatpatient in der Regel schneller einen Termin als ein Kassenpatient. Die Sonderleistungen, die die meisten Privatversicherungen bieten, können ebenfalls ausschlaggebend für die Wahl der Versicherungsart sein.